Des Schuhkönigs Schatzkammer

Der Geruch von altem, derben Leder und ätzendem Leim steigt mir in die Nase, als ich dem alten Besitzer des “Schuhkönigs” in die kleine Schatzkammer seines Reiches folge. Das leise Rattern und Surren der Näh- und Schleifmaschinen schafft eine behagliche Atmosphäre und verschluckt somit den störenden Lärm der Stadt. Nur eine schmale Holztür trennt die beiden Welten, welche optisch aus zwei verschiedenen Jahrhunderten stammen.

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Selbst in einem Alter von 86 Jahren, packt der Mann in seiner grünen Schürtze noch selbst in seinem Geschäft an. Denn wie er selbstverständlich meint, würde man ja sonst noch “dumm in der Birne” werden. Gemütlich ,auf den mit grauem Stoffbezogenen Hockern sitzend, entwickelt sich schnell ein interessantes Gespräch über das alte Handwerk und den heutigen fortgeschrittenen Lebensstil.

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Während mir erklärt wird, wie alte Schuhsohlen repariert werden, lausche ich den Anekdoten dieses Herren, welcher nun schon seit 1940 seine Arbeit ausübt.

Früher erzählt er mir gewissentlich, hätte es in jedem Dorf einen Schuhmacher gegeben. Doch heute mit der Produktion der Turnschuhe, wäre der Bedarf an edlen Lederschuhen rapide gesunken. Sneakermodelle aus China und Taiwan hätte er schon hier gehabt, die er reparieren sollte. Die Gesellschaft habe sich sehr verändert. Früher saß man noch mit seinen sieben ( oder mehr) Geschwistern abends zusammen auf dem Bauernhof in der Natur. Schön sei dieses einfache Leben gewesen. Das glaube ich ihm aufs Wort und sehe ihn als Jungen Burschen vor meinen Augen durch hohe Wiesen springen.

Der eigene Sohn ist auch ins Familiengeschäft eingestiegen und packt kräftig an, wo er nur kann. Als junge Dame inmitten all der Schuhe, führt er mir ganz selbstverständlich all die einzelnen Schuhpaare vor, sodass ich immer ein neues Einzelstück in meinen Händen bewundern kann. Es ist erstaunlich, wie viel Kraft und detaillierte Handgriffe in dieser Arbeit stecken und sie sich dennoch beruhigend auf den Geist auswirkt.

Bevor ich wieder durch die Zeit reise und die Welt vor dem Laden betrete, erhalte ich als kleines Andenken ein Stück bearbeitetes Leder. Schnell lasse ich es in meine Jackentasche gleiten, wo es sicher aufbewahrt ist. Im tieften Herzen wünsche ich mir, dass dieser Ort noch weiter bestehen bleibt, sodass dieses bezaubernde Handwerk nicht in Vergessenheit gerraten wird. Mein kleines Stück Leder wird mich auch in Zukunft daran erinnern, dass ich das Ursprüngliche und die Einfachheit des Lebens nicht aus den Augen verlieren werde.

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