(Un-)Sinn verbannen – Authentisch leben und Haltung zeigen

Ein Retrobadeanzug mit gelben Sonnenblumen, fünfzehn Jahre alt, gefunden im Schrank meiner Mutter. Ein Glücksgriff, er passt wie angegossen. Es sind oft sehr kleine Dinge im Leben, durch die ich mich mit meinem “Ich”, mit mir und meinen Wurzeln verbunden  fühle. Sonntags krame ich mich stundenlang durch alte Fotografien meiner Großerltern, meine eigenen Fotalben und dutzende Grußkarten vergangener Geburtstage. Oft traurig-melancholisch über Vegangenes oder zärtlich-liebevoll über all die zahlreichen Erinnerungen, welche nur zu mir gehören. Die Sammlung von Erinnerungsstücken hilft, meine Identität zu ergründen, meine Werte und die aktuelle Lebensweise zu hinterfragen. Schließlich bin ich Ich. Doch nicht selten verliert sich das Gefühl für die eigene Persönlickeit, da wir uns oft – verstärkt durch soziale/moderne Medien –  an den Anderen orientieren und vergleichen. Wir entfernen uns von uns selbst, dem Sinn von unserem Dasein oder was wir eigentlich auf der Erde tun wollen. Es ist ein ewiger Wettlauf zwischen unseren eigenen Vorstellungen und den Erwartungen der Anderen. Schließlich müssen wir mithalten, perfekt sein. Kontrollierbar soll das Leben sein, planbar. Karriere, Kinder, Freizeit. Durchgetaktet bis zum Schluss. Ständig sollen wir uns an den neusten Trends, welche sogenannte “Influencer” uns vorleben orientieren und unser Leben danach ausrichten. Doch wer sind wir ohne Zwänge, Kontrolle und das Bild, welches wir nach außen abgeben.

Es war der mit Sonnenblumen bedruckte Badeanzug – aktuell wieder im “Trend”- , welcher mir offenbarte, dass mir das Leben durch ständiges Kontrollieren/Planen davonläuft. Ich bin nun auf (Un-) Sinndiät und probiere mich in der mir noch fremden Welt aus. Denn dort, in der Fremdheit liegt das Leben, im Gefühl. Es kann also sein, dass ich mein Leben nun nach meinen Werten ausrichte und nun mit Haltung duch das Leben laufe. Inspiriert durch alten Aufnahmen meiner Großmutter, gehe ich einen Schritt nach dem anderen und lege meine Vorstellungen ab. Das Perfekte wird ganz hinten in die Schublade meines Schrankes geschoben. Schließlich brauche ich nicht perfekt zu sein und im Wettkampf mit mir selber – durch krankhafte Schönheitsideale- oder mit anderen – durch Leistungen oder Karriere- zu stehen. Ich bin mir erstmal genug, bin auch gerne alleine und lebe nach meinen Werten und Vorstellungen. Ruhe kehrt ein, ich will nicht immer “wollen müssen”, weil es so erwartet wird oder ich es lange selbst von mir erwartet habe. Es gibt keinen Grund, alles zu kontrollieren, jede Woche morgens zum Yoga zu gehen oder nur gesund mich zu ernähren. Ja, natürlich achte ich auf mich, aber nur wenn ich die Lust dazu verspüre oder weil es mir gefühlsmäßig dadurch besser geht. Momentan lerne ich also Italienisch, wenn ich Lust dazu habe und tauche in mir noch fremde Welten ab. Denn nur weil ich keinen Bezug zu etwas habe, heißt es noch lange nicht, dass es mich nicht interessiert. Es ergibt sich somit eine Vielzahl von Erfahrungen, welche ich nicht mehr missen möchte. Es ergibt Sinn. Der (Un-) Sinn schleicht sich langsam durch die Hintertür hinaus und ich öffne mich dem (unkontrollierbaren) Leben. Nie zuvor habe ich mein Leben, mein Ich mehr geliebt als zu diesem Zeitpunkt, denn schließlich habe ich meine Vergangenheit und meine  Persönlichkeitsanteile akzeptiert. Nicht vollständig, dafür braucht man Zeit. Es passiert nicht von Heute auf Morgen, dass man sich von der inneren Stimme des wollen müssen loslöst und einfach nur Ist. In diesem Moment und sich auf das wahre, die inneren Werte konzentriert, sowie sich den innersten Ängsten stellt. Dies beizubehalten, zu wissen wer man ist und welche Dinge man von tiefstem Herzen ohne Zwänge verfolgt, nenne ich Authentizität. Kopf hoch und Haltung bewahren. Nach diesem Motto lebt meine Großmutter mit Lebensfreude in jeden Tag hinein und sorgt sich keine Minute über den Tod oder andere unnötige KLeinigkeiten. Sie und ihr eigenen Leben sind ihr genug. Selbst das Ende, die Vergänglichkeit hat sie akzeptiert.

Daher, Badeanzug anziehen auf die Straße treten und nur die Persönlichkeit strahlen lassen. Konventionen und Grübeleien in der Schublade lassen, das Fremde freundlich an die Hand nehmen und der Angst Hallo sagen. Mit sich selber befreundet sein, dann verschwindet das Alleinsein und man läuft mit Haltung spielerisch durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Nicht mehr wollen müssen sondern wollen!

Für mehr philosophische Denkanstöße über das Leben und den (Un-) Sinn der uns darin begegnet, kann ich nur Die Sinn-Diät von Rebekka Reinhard empfehlen!

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